Use Cases

Vibe Coding für KMU: Was du an einem Abend baust, und wo es aufhört

Kurz gesagt

Vibe Coding heisst, Software in normaler Sprache zu bauen: Du beschreibst der KI, was deine Webseite oder App tun soll, sie schreibt den Code. Für ein KMU lohnt sich das bei allem, was bisher zu klein für ein IT-Projekt war. Die Regel dabei: erst online, dann schön, eine Änderung pro Nachricht. Die Grenze: Sobald Kundendaten oder Zahlungen im Spiel sind, gelten dieselben Pflichten wie für jede Software.

Die drei Gründer des KI Hafen schauen gemeinsam auf einen Laptop im Büro in Zug

Die Seite, auf der du gerade liest, hat kein Mensch programmiert. Ich habe sie beschrieben, Satz für Satz in normaler Sprache, und eine KI hat den Code geschrieben. Das nennt sich Vibe Coding. Es verändert, welche Ideen ein KMU überhaupt umsetzen kann. Und es hat eine Grenze, die du kennen musst, bevor du Kundendaten reinlegst.

Als ich 2025 für Future-Proof Business die Webseite mit eigener App für Unternehmer gebaut habe, oder diesen Sommer die Website vom KI Hafen, hatte ich keine Agentur und kein Pflichtenheft. Ich hatte einen Chat. «Bau eine Startseite mit unseren Trainings, Farben wie im Logo, Du-Form, Schweizer Rechtschreibung.» Ein paar Minuten später stand die erste Version. Nicht schön, aber da. Der Rest war Nachschärfen: eine Änderung, anschauen, nächste Änderung. So, wie du mit dem Handwerker durch den Rohbau gehst.

Seither höre ich in fast jedem Gespräch mit Unternehmern dieselbe Frage: «Kann ich das auch?» Die kurze Antwort: ja. Die längere ist dieser Artikel.

Was Vibe Coding ist

Vibe Coding heisst, Software in normaler Sprache zu bauen. Du sagst der KI, was deine Webseite oder App tun soll, sie schreibt den Code, du schaust dir das Resultat an und sagst, was anders sein soll. Den Code selbst liest du nie. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy, einem der bekanntesten KI-Forscher, der Anfang 2025 beschrieb, wie er beim Bauen nur noch den «Vibe» vorgibt und vergisst, dass der Code überhaupt existiert.

Für dich als Unternehmer heisst das: Du brauchst keine Programmierkenntnisse. Du brauchst etwas anderes, und das ist die Neuigkeit. Du musst sagen können, was du willst. Wer die KI vage anweist, bekommt etwas Vages zurück. Wer in drei Sätzen sagt, für wen die Seite ist, was sie tun soll und welchen Knopf jemand drücken soll, hat in wenigen Minuten eine erste Version vor sich.

Werkzeuge gibt es mehrere. Im Workshop nehmen wir Lovable: Du tippst links, rechts siehst du sofort, was entsteht, und mit einem Klick ist es online. Das Prinzip ist bei allen gleich.

Was ein KMU an einem Abend baut

Am meisten lohnt sich Vibe Coding für alles, was bisher zu klein für ein IT-Projekt war. Die Anmeldeseite für den Firmenanlass. Der Preisrechner, der die Frage beantwortet, bevor jemand anruft. Die Übersicht aus dem Excel, das nur noch eine Person versteht. Die Checkliste für den Ablauf, die heute laminiert an der Wand hängt. Das Kundenportal, in dem deine Kunden ihre Unterlagen selbst finden, statt dir zu mailen.

Für keines davon hättest du eine Agentur beauftragt. Zu klein, zu unwichtig, nächstes Jahr vielleicht. Jetzt kostet die erste Version einen Abend. Rechne selbst: Was hättest du für eine einfache Webseite offeriert bekommen? Und wie lange wartest du auf die Anpassung, wenn sich ein Preis ändert?

Die Regel, die den Unterschied macht

Die meisten scheitern nicht an der KI. Sie scheitern daran, dass sie alles wollen: Login, Zahlung, Datenbank, «und dann automatisch eine Mail an den Kunden». Die KI baut das brav, doch alles wird schnell zu komplex, und am Schluss steht nichts online.

Deshalb gilt bei uns eine Regel: Erst online, dann schön. Version 1 hat höchstens drei Dinge: eine Startseite, ein Zweck, ein Knopf. Kein Login, keine Zahlung, keine Datenbank. So ist sie nach einer Stunde im Netz, mit einem Link, den du jemandem schicken kannst. Alles andere kommt danach, Schritt für Schritt. Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: Struktur → Inhalt → Aussehen → Publish → Handy-Test → Funktionen. Publish kommt vor den Funktionen, nicht danach.

So sieht ein erster Prompt aus, der funktioniert:

Baue eine Webseite für [wer sie nutzt].

Zweck: [ein Satz].

Bereiche: höchstens drei, zum Beispiel Startseite, Angebot, Kontakt.

Auf der Startseite: eine Überschrift, die sagt, was es ist, drei kurze Vorteile und ein Knopf «[Text auf dem Knopf]».

Stil: schlicht, viel Weissraum, gut lesbar auf dem Handy. Farben wie mein Logo, das ich hochlade.

Sprache: Deutsch (Schweiz), Du-Form, Schweizer Rechtschreibung.

Noch nicht einbauen: Login, Zahlungen, Datenbank.

Danach gilt: eine Änderung pro Nachricht. «Ersetze den Text unter der Überschrift durch: …» «Mach es ruhiger, weniger Farben, grössere Schrift.» Wer fünf Wünsche in eine Nachricht packt, bekommt fünf halbe Änderungen.

Das klingt nach Disziplin, und das ist es auch. Es ist dieselbe Disziplin, die du brauchst, wenn du einer Mitarbeiterin eine Aufgabe übergibst: ein klarer Auftrag, ein prüfbares Ergebnis, dann der nächste Schritt. Vibe Coding trainiert nebenbei die Fähigkeit, die vielen Inhabern fehlt. Präzise sagen, was man will, und dann loslassen.

Wo es aufhört

Jetzt der Teil, den die Werbung weglässt. Was an einem Abend entsteht, ist ein Werkzeug für dich und deine Leute. Es ist noch keine Software, der du die Daten von hundert Kunden anvertraust. Drei Dinge musst du wissen.

Sobald ein Formular Daten sammelt oder sich jemand einloggt, läuft im Hintergrund eine Datenbank, und für die Daten darin bist du verantwortlich. Datenschutzerklärung, Zugriffsrechte, Einwilligung fürs Mailen. Was nach Schweizer Recht gilt, steht im Artikel Was du einer KI anvertrauen darfst. Für die App, die du baust, gelten dieselben Regeln.

Die KI erfindet gern: «500+ zufriedene Kunden» und drei Kundenstimmen auf die Seite. Das ist in der Schweiz unlauter, und jeder sieht es sofort. Sag ihr von Anfang an: keine erfundenen Zahlen, keine erfundenen Stimmen.

Und die Frage, die keiner am ersten Abend stellt: Wer versteht es, wenn es klemmt? Ein Werkzeug, das nur die KI versteht, ist wie das Excel, das nur eine Person versteht. Lass dir den Code exportieren, damit du eine Kopie hast, die nicht vom Anbieter abhängt. Und entscheide bewusst, ab wann aus dem Abend-Projekt etwas Solides werden soll. Ab dann gehört jemand dazu, der Zugriffsrechte und Sicherheit prüft.

Wo du anfängst

Nimm nicht die grosse Idee. Nimm das Ärgernis, das dich diese Woche sowieso erwartet: die Anmeldung, die per Mail kommt, oder die Frage, die dir Kunden jede Woche am Telefon stellen. Schreib in einem Satz auf: Wer kann auf meiner Seite was tun, damit was besser wird. Wenn der Satz steht, ist der erste Prompt fast geschrieben.

Wenn du lieber mit jemandem daneben startest: Dafür haben wir den Vibe Coding Workshop gebaut. Als öffentlicher Kurs oder zugeschnitten für dein Unternehmen.

Die Seite, auf der du das liest, war vor ein paar Monaten auch nur ein Satz in einem Chat.

Häufige Fragen

Was ist Vibe Coding?

Vibe Coding heisst, Software in normaler Sprache zu bauen: Du beschreibst der KI, was deine Webseite oder App tun soll, sie schreibt den Code, du prüfst das Ergebnis und sagst, was anders sein soll. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy, Anfang 2025. Programmierkenntnisse brauchst du keine, dafür eine klare Beschreibung dessen, was entstehen soll.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Vibe Coding?

Nein. Du beschreibst, die KI schreibt den Code. Was du brauchst, ist die Fähigkeit, in wenigen Sätzen zu sagen, für wen die Seite ist, was sie tun soll und was jemand darauf klicken soll. Wer das kann, hat nach einer Stunde eine erste Version online.

Welches Werkzeug eignet sich für Vibe Coding ohne Vorkenntnisse?

Für Webseiten und kleine Apps ist Lovable ein guter Start: Du siehst sofort, was entsteht, und veröffentlichst mit einem Klick. Die Gratis-Stufe reicht für einen ersten Abend, und über unseren Einladungslink bekommst du Credits zum Start. Eine eigene Domain und mehr Leistung gibt es im bezahlten Plan, je nach Stufe für wenige Franken bis einige Dutzend pro Monat. Vergleichbare Werkzeuge funktionieren nach demselben Prinzip.

Kann ich eine mit Vibe Coding gebaute App geschäftlich nutzen?

Als Werkzeug für dich und dein Team: ja, ab dem ersten Abend. Sobald Kundendaten drin sind oder Kunden zahlen sollen, gelten dieselben Pflichten wie für jede Software: Impressum und Datenschutzerklärung, und jemand muss die Zugriffsrechte prüfen. Plane diesen Schritt bewusst, statt ihn am ersten Abend mitzunehmen.

Kann ich das auch als Workshop machen, zugeschnitten auf unser Unternehmen?

Ja. Wir kommen zu euch und bauen den Abend um eure Abläufe herum: euer Ärgernis, eure Tools, eure Regeln für Datenschutz. Jede und jeder im Team baut ein eigenes Werkzeug, das am Ende online ist. Vom Halbtag bis zur Lernreise, wir schneidern das Format im kostenlosen Kennenlern-Gespräch. Mehr dazu unter KI für KMU und Teams.

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